Der lachende Gott des Glücks

Vor langer, aber nicht allzu langer Zeit lebte in Tou ein Bauer, der war so arm, dass er sein Haus verkaufen musste, um noch Reis auf sein Feld zu bringen. Zum Schutz vor dem kalten Wind in der Nacht begab er sich in einen kleinen Tempel.

Wie er dort schlief schreckte er plötzlich hoch und fand, dass der Tempel im Inneren vom Schein einer Kerze erleuchtet war. Er lugte hinein und sah einen kleinen Mann mit dickem Bauch und langen Ohren, der dort saß und trank und es sich gut gehen ließ. Als er sich gerade zurückziehen wollte, hatte der Kleine ihn entdeckt und winkte ihn heran.

„Komm, setz dich und trink mit mir!“, sagte er. „Es ist genug da für zwei“.

Der Bauer wollte ablehnen, doch sein knurrender Magen strafte ihn Lügen, also setzte er sich dazu.

„Erzähl mir was!“, rief der Kleine und obwohl der Bauer erst anheben wollte, von seiner misslichen Lage zu klagen, war das Lächeln des anderen so voller Freude, dass er es nicht konnte. Er fing stattdessen an eine lustige Geschichte von einem Waschbärhund zu erzählen, der einen hohen Herrn mit seinen Streichen foppte. Der kleine Mann schlug sich bei der Geschichte immer wieder vor Lachen auf den Bauch, dass dieser wackelte und seine langen Ohrläppchen schlappten dabei. Das sah so komisch aus, dass auch der Bauer sich bald nicht mehr halten konnte und am Ende waren sie beide erschöpft und Tränen des Gelächters liefen ihnen über die Wangen.

„Du bist ein guter Mann, dass du mir solche erfreuliche Gesellschaft leistest!“, rief der kleine Mann, „Ich will dir etwas schenken. Aber sage mir erst: Wenn ich dir 100 goldene Münzen schenke, was wirst du damit tun?“

Der Bauer überlegte nicht lange: „Ich werde Reis pflanzen und wenn ich ernte, werde ich ein großes Fest für alle im Dorf geben. Alle sollen solches Glück mit mir feiern, selbst die Ärmsten werden meine Gäste sein.“

„Das ist recht!“, sagte der Kleine und schenkte ihm noch einmal ein. Als sie sich zuprosteten und tranken, fiel der Bauer in tiefen Schlaf.

Am Morgen wachte er auf und der kleine Mann war verschwunden. Nur lag an der Stelle wo er gesessen hatte ein kleiner Beutel, bestickt mit den Worten „Daifuku (Großes Glück)“. Darin fanden sich tatsächlich einhundert lange goldene Münzen.

Der Bauer war sehr dankbar und tat nun alles so, wie er gesagt hatte. Bei seinem Fest fragte ihn ein anderer Bauer, wie er denn plötzlich so reich geworden sei und er erzählte es ihm. Der andere war aber ein ziemlicher Geizhals und wie er von dem Gold hörte, machte er sich sogleich auf zu dem Tempel und legte sich dort schlafen.

Er tat kaum ein Auge zu. In der Mitte der Nacht hörte er schließlich leises Singen und Schälchenklappern und sah im Inneren des Tempels den lustigen kleinen Mann, genau wie der arme Bauer es ihm beschrieben hatte.

Schnell trat er hinzu und nahm Platz: „Du, lass uns zusammen feiern!“

Der Kleine beäugte ihn ein bisschen, lachte dann aber auf und schenkte ihm ein. „Erzähl mir was!“, rief er. Der Geizhals begann nun zu erzählen, was für ein toller Kerl er sei und pries sich selbst in den höchsten Tönen. „Du siehst sicher, ich wäre ein Mann, dem man 100 Goldmünzen schenken sollte! Ich werde sie nicht so verschwenden wie der Dummkopf, der vor mir hier war.“, schloss er seine Erzählung.

Der Kleine schenkte ihm wortlos ein. Ohne es abwarten zu können, nahm der Geizhals als Erster einen tiefen Zug von dem Schnaps und fiel sofort in tiefen Schlaf.

Er erwachte und fand einen Beutel bei sich, der war groß und so schwer, dass er ihn kaum heben konnte. „Dass müssen wohl tausend Goldmünzen sein!“, dachte er und riss sofort den Sack auf. Da kam aber nichts heraus als ein Bündel höllische Schlangen, schwarz wie die Nacht und übel stinkend.

Schreiend lief der Geizhals davon und drehte sich nicht um. Der kleine Mann saß indes versteckt im Schatten des Tempelbaums, rieb sich den Bauch und lachte.


Autor: UY

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