EIN SPIELER

Der Reiche Mann ist wieder da. Er ist ein Idiot.

Und das ist gut.

Wenn ich seine laute Stimme im Vorraum höre, mache ich mich bereit und bringe mich am richtigen Ende des Tisches in Position. Der Reiche Mann sitzt immer am gleichen Platz. Er meint, dass er damit seine Macht zeigt, ein geschätzter Kunde ist, dem mehr Rechte eingeräumt werden. Aber es macht ihn so vorhersehbar.

Ich verabscheue ihn. Er wirft mit dem Geld um sich, als würde er es auf seinen Feldern ernten. Obwohl er nicht aussieht, als ob er jemals in seinem Leben etwas so Anstrengendes wie eine Ernte mitgemacht hätte. Gerüchte sagen, dass er nicht nur mit Stoffen und Gewürzen handelt, sondern mit hübschen, lila Blumen, die auf den verborgenen Feldern in den Bergen gedeihen. Vielleicht ist das nur die üble Nachrede all seiner Neider, die ihn hassen.

Er macht es einem leicht, das zu tun.

Der Reiche Mann denkt, dass er alles kaufen kann. Und jeden. Leider stimmt das sogar. Vor zwei Jahren ist Kyoko, die dämliche Ziege, auf ihn hereingefallen. Sie war das schönste Mädchen im Dorf und eitel wie ihr Spiegel. Er hat ihr Geschenke und Kimono gekauft, Jade und feinen Reiswein. Dann hat er sich im Gegenzug genommen, was er von ihr wollte. Als der Reiche Mann alles genossen hatte, was sie ihm hatte geben können, hat er sie verlassen, auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. Kyoko wurde bitter und und so hässlich, dass ihr Spiegel beschlug. Ihre Eltern schickten sie zu einer entfernten Tante, weit, weit fort. Vielleicht hat sie da jemanden gefunden. Dämliche Ziege. Manchmal vermisse ich ihr Lächeln auf dem Dorfplatz.

Der Reiche Mann kauft alles und jeden. Aber er ist nicht klug und er trinkt viel zu viel, wenn eine schöne Frau ihm einschenkt.

Ich wechsle einen Blick mit Takara, sie lächelt unter ihrer Schminke, und kniet sich bereits neben das Kissen, rückt den Krug auf dem Lacktablett zurecht. Sie weiß, was sie tun muss, die Schale des Reichen Mannes wird nie leer sein. Und wenn er aufhört zu trinken, dann lädt sie ihn ein, neckt ihn, fordert ihn heraus, lacht ihn aus, bis er empört beweisen will, was für ein Mann er ist. Dabei wissen wir das alle: Ein dummer.

Anfangs lasse ich die Würfel so rollen, dass meine Ahnen mit Wohlwollen darauf blicken können. Soll er ruhig gewinnen, es ist nie von Dauer. Sobald ich merke, dass der Wein die Sinne des Reichen Mannes trübt, greife ich in die Falten meiner Hose. Der neue Würfel ist wie ein gut abgerichteter Hund und gehorcht nur mir. Es ist wie der Rhythmus eines Liedes, aber der Reiche Mann bemerkt es nicht einmal. Klack Klack – er gewinnt. Klack Klack, er verliert, verliert, verliert. Klack Klack, er gewinnt. Mein Hund umkreist ihn und behält die Witterung. Spürt er Misstrauen, kehrt er zurück zu seinem Herren, verschwindet im Versteck. Zum Schluss lassen wir ihn immer noch einmal gewinnen, der letzte Schluck Sake soll nicht bitter sein. Doch wenn er endlich geht, schwer gestützt auf die Schultern seiner beiden Diener, dann ist er um einen Beutel Münzen leichter.

Immer.

Später teilen Takara und ich das Geld auf. Ein Teil für sie, zwei für mich. Eine Spende für den Tempel, damit die Geister nicht zu sehr zürnen.

Eine Schale Sake auch, damit sie auf Kyoko achten, wo auch immer sie jetzt ist.

Dämliche Ziege.

Autor: Britta

 

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