EIN PELZHÄNDLER

Nach mehreren Wochen im Süden trete ich endlich den Heimweg an. Die Reise war gerade so lang, dass ich es noch aushalten konnte. Einmal mehr mit einem dieser herablassenden Städter zu sprechen, einmal mehr mit jedem besonders langsam und deutlich ausgesprochenen Wort zu spüren für wie beschränkt sie mich halten, hätte meine Beherrschung überfordert.

Ich sitze stumm an Deck des Schiffes, den leeren Sack, in dem ich die Pelze getragen habe als Schutz vor dem eisigen Wind um mich gelegt. Kaum einer der anderen wagt sich nach draußen, nur die Matrosen kämpfen mit den flatternden Segeln. Manchmal wirft mir einer einen flüchtigen Blick zu: „Was macht der da?“ „Der ist ein Banjin.“ „Achso.“ Das erklärt für sie alles.

Ich schließe die Augen und denke darüber nach, wie ich in diesem Winter die Fallen aufstellen werde. Es gibt auf der Insel nur kleine Tiere, kein Renfleisch, was als Köder besser wäre. Ich fange sehr wenig, es lohnt sich kaum. Eigentlich sollte ich zurückgehen.

Ich bin damals wegen Chamuk auf die Insel der Rehe gekommen. Hätte ich das nicht gemacht, hätten ihre Eltern der Heirat nicht zugestimmt. Ich habe Chamuk mehr geliebt als das Weite Land, mehr als das glitzernde Eis und den Himmel, der bei uns klarer und höher ist als hier. Ich habe sie so sehr geliebt, dass es mir nichts ausmachte, mich jedes Jahr wieder auf den Märkten dieses Landes belügen und verspotten zu lassen. Nach hause zu kommen zu ihrem Lächeln und ihren offenen Armen, zu den Liedern, die sie abends für mich leise sang hob das Schlechte in meinem Leben auf. Bis ich eines Tages heimkehrte und das Haus kalt und leer fand. Sie war verschwunden und mit ihr alles Schöne, was wir besaßen. „Piraten.“, sagte einer der Jäger, ein Toujin, zu mir. „Jeder weiß, dass sie sich hier auf den Inseln verstecken.“ Ich habe das geglaubt, weil es das einfachste war. Hätte ich Fragen gestellt, wäre ich wohl so geendet wie sie. Und nach mir hätte keiner gefragt.

Als es Nacht wird und die Wolken aufklaren, sitze ich immernoch oben an Deck. Es wird kalt und ich weiß auf einmal, dass es Zeit ist, eine Entscheidung zu treffen. Ich trage bei mir einen Stein, den mir meine Mutter als Kind gab. Er ist flach und kreisrund und hat, von einer feinen weißen Linie getrennt, eine schwarze und eine graue Seite. Meine Mutter sagte, es wäre ein Stein aus den Augen eines Wolfes und eines Raben. Er fühlt sich warm an, als ich ihn unter der Kleidung hervorziehe, warm und lebendig. Mit einem Gebet an den ewigen Himmel werfe ich ihn auf das Deck.

Er zerspringt.

Autor: UY

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