SAMURAI

Ichi.

Regen fällt auf das grüne Dickicht des Bambuswaldes. Ich bin allein. Meine Klinge sirrt. Sie zerschneidet den Regen. Die Meister der Einkehr sagen: Lass die Gedanken fallen. Ich lasse die Gedanken nicht fallen. Ich töte sie.

Das Gesicht des widerlichen Reishändlers, geifernd vor Stolz als er uns erzählt wie er von der Angst der Bauern im Krieg reich wird. Takeuchi lacht mit ihm, schmeichelt ihm sein Geld heraus. Ich kann das nicht, kann nicht betteln und mich verbiegen vor diesem niederen Menschen. Ich trinke nur verbissen. Nie habe ich mich so entwürdigt gefühlt.

Ni.

Eine Spur aus Nebel fliegt hinter dem Stahl. Ich bin nass bis auf die Knochen, das Haar klebt an meiner Stirn. Die Meister der Einkehr sagen: Verweile in Gleichmut. Ich töte meinen Hass.

Die Sängerin, wie sie mit riesigen Zähnen schallend lacht. Sie singt: „Nobutada tada nigeta-n-da – Nobutada ist einfach weggerannt.“ Der Reishändler tanzt, grunzt vor Freude und begleitet das Lied mit obszönen Gesten. Mehrmals zwinkert er mir dabei zu. Takeuchi kennt mich gut genug, dass er sich vorbeugt und Sake einschenkt, als ich mein Schwert ziehen will. Statt meiner Klinge hebe ich meine Schale: „Kanpai!“

San.

Ein einzelner Regentropfen, gespalten in zwei. Die Meister der Einkehr sagen: Nichts existiert. Ich lösche alles aus, was ist und schneide die Welt von mir ab.

Der Reishändler klatscht in die Hände, als wir das Geschäft besiegeln. „Schickt eure Boten zum Enkakuji.“, sagt Takeuchi. Ich zucke zusammen. Wie kann er verraten, wo sich unser Herr versteckt? Der Reishändler klatscht noch einmal, als wären wir Götter, verbeugt sich so tief, dass es nur Hohn sein kann. In diesem Moment brechen die Wände auf uns herein. Eine Horde von Tosugis Hunden springt daraus hervor, die Schwerter wie Zähne blank. Wir sind in der Falle. Takeuchi scheint verwirrt als sie ihn angreifen. Ich habe keine Zeit darüber nachzudenken, töte einen, zwei, drei. Dann fliehe ich durch das Fenster und über die Dächer. Als wäre ich ein gemeiner Dieb.

Shi.

Ein Blitz lässt die Klinge grell leuchten, Donner folgt ihm keinen Herzschlag danach. Alles bebt und zittert, lautlos bin ich, atemlos und taub. Die Meister der Einkehr sagen: Es gibt kein Ich. Ich spüre nichts mehr als die Kälte meiner durchnässten Hand um den Griff meines Schwertes.

Als ich vor meinem Herrn knie, blickt er nicht auf von den Schriften. Er tut, als höre er mich nicht. Am Ende wendet er sich ab und verlässt den Raum. Ich erhebe mich nicht aus meiner Verbeugung, bis alle gegangen sind. Dankbar bin ich, für diese Gelegenheit. Ich werde mein Versagen begleichen.

Go.

Der Schrei auf meinen letzten Schnitt hallt durch das Rauschen des Regens und das ohrenbetäubende Knarren der Bambusstämme. Im grauen Dunst nicht weit von mir kann ich sie kommen sehen. Längst sind mein Herr und die anderen fort. Nichts werden Tosugis Hunde hier finden, nur mich. Die Meister der Einkehr sagen: Verlösche. Ich bin der Tod.

 

Autor: UY

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