Wie die Welt entstand

 Lange vor der Zeit gab es nur die Sonne und das Meer. Im Meer lebten viele herrliche, schillernde Fische und andere Tiere, viel größer und schöner als heute. Da es aber kein Land gab, gab es auch keine Tiere und keine Vögel am Himmel.

Die Sonne war in der Leere ganz allein. In ihrer Einsamkeit formte sie aus ihren Strahlen einen wunderbaren, feuerglühenden Drachen. Dieser schwebte von da an über das Wasser hinweg und durch den Himmel.

Er war herrlich anzusehen, aber so heiß, dass er das Wasser zum Kochen brachte und die Tiere darin starben. Das wiederum machte die See sehr traurig.

Die Sonne und die See kamen daher überein, dem Drachen ein Kleid aus granitenen Schuppen anzulegen. Der Drache wurde darüber sehr zornig. Er fauchte und spuckte, schüttelte die Schuppen ab und fuhr in den Grund der See. Dort verbarg er sich in einer Höhle und grollte. Die See sandte ihren treuesten Diener, eine gewaltige Schildkröte, um an der Oberfläche zu wachen bis der Drache wieder auftauchte. Lange Zeit machte der Drache keine Anstalten nach oben zu kommen. Nur manchmal schickte er seinen feurigen Atem durch das Wasser oder schlug mit seinem Schwanz, dass die Wellen hunderte Schritt hoch aufkamen.

Da die treue Schildkröte so über tausende Jahre ausharrte, entstanden auf ihrem Panzer Gebirge, Steppen und Wälder. Diese sind die Länder des Kontinentes.

Die Schuppen des Drachen aber blieben zum Teil noch immer rauchend und zuweilen glühend auf dem Wasser zurück und formten die Inseln von Nantou.

Autor: UY

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